Geschichte

kirchturmSchon von Weitem ist der rot geklinkerte Turm der Auferstehungskirche mit seiner Turmuhr sichtbar. Er ist Wahrzeichen eines Stadtviertels – der Schwanthalerhöh’ im Münchner Westend. Das Geläute der Glocken ist für alle Menschen im Westend deutlich wahrzunehmen.

Von den fünf Bronzeglocken mit Namen Reminiscere, Rogate, Cantate, Exaudi und Jubilate, wurden zu Kriegszeiten leider vier eingeschmolzen. Später wurden drei ersetzt. Der Platz der Rogate ist heute noch leer.

Die Entstehung der Evang.-Lutherischen Auferstehungskirche im Münchner Westend hat eine lange Vorgeschichte: Beginnend mit ersten Gottesdiensten 1894 in der Kinderbewahrungsanstalt in der Ligsalzstraße über die Gründung des Evangelischen Vereins München-Westend e.V. im Jahre 1903 und die Schaffung einer eigenen Pfarrei bis hin zum Beschluss für den Bau einer eigenen Kirche mit Gemeinde- und Pfarrhaus im Westend. Die Auferstehungskirche wurde nach Plänen des Architekten German Bestelmeyer, auch bekannt durch den Bau des Deutschen Museums in München gebaut.

Foto Kirchenansicht
kirchenansichtDer ursprüngliche Entwurf (1925), der der sogenannten Heimatkunst zuzuordnen ist, wurde wenige Jahre später, sicherlich beeinflusst durch den angrenzenden Bau des Ledigenheimes, das sich in seinem Stil an der Neuen Sachlichkeit orientiert, und die unmittelbare Wohnblockbebauung völlig geändert. Dem Wunsch des damaligen Diakons, eine größere Kirche bauen zu wollen, die „was darstellt und den Protestantismus a bisserl repräsentiert“, konnte nun auch durch Grundstückserweiterung Rechnung getragen werden. Im Juni 1930 war dann endlich die Grundsteinlegung, im Oktober 1930 das Richtfest und bereits am 25. Oktober 1931 konnte die Kirche eingeweiht werden.

Das denkmalgeschützte Ensemble aus Kirche, Gemeinde- und Messnerhaus gilt als sehr gelungene, bedeutende Architektur. Der geometrisch-strengen Wirkung steht die unterschiedliche Gestaltung der einzelnen Baukörper gegenüber.

Wir laden Sie herzlich ins Innere unserer Kirche ein
Foto Kirchenraum
kirchenschiff_innen2Durch das Doppelportal überfangen von einem Architraven mit der Inschrift „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Joh. 14,6) und einem darüber liegenden Tympanon mit der zentralen Figur des lehrenden Christus umgeben von vier Evangelisten, gelangt man in den Vorraum. Rechts sichtbar ein rundbogiges Portal, das zur Brauthalle oder Magdalenenkapelle führt. Linker Hand eine Treppe, über die man zur Orgelempore gelangt.

Den eigentlichen Kirchenraum erreicht man durch zwei zweiflügelige Portale. Der erste Eindruck beim Unterqueren der Orgelempore mag eher etwas düster sein. Doch dann öffnet sich der Kirchenraum – ein einfacher Kubus mit flacher Holzdecke – der sich jedem symmetrischen Schema verweigert.

Foto Kirchenraum diagonal
kirchenschiff_innen1Einerseits ist dem Hauptschiff ein schmales Seitenschiff an der Längsseite und andererseits ein eingezogener Würfel als Chorraum an der Stirnseite angegliedert. Der Kirchenraum wird beherrscht von dem großen Gestühlblock, der keinen Mittelgang besitzt. Im schmalen Seitenschiff, das durch vier quadratische Pfeiler vom Hauptschiff abgesondert ist, stehen drei weitere Bankblöcke, die ins Kirchenschiff schauen.

Über dem Seitenschiff setzt sich die Empore fort. Damit wird diese Raumabteilung in zwei Geschosse geteilt. Blickt man durch das Kirchenschiff in den Chorraum, fällt der aus der Mittelachse des Hauptschiffes verschobene Triumphbogen auf.

Foto Taufbecken
taufbeckenÜber sieben Stufen gelangt man zum Chor. Links der Treppe, auf dem in den Schiffsraum vorspringenden Sockel befindet sich die schalldeckellose Kanzel mit einem seitlich angebrachten Relief – dem schlafenden Jesus im Boot. Rechts der massive, runde Taufstein aus Muschelkalk mit dem hohen, runden, schwenkbaren Bronzedeckel. Die Reliefzone stellt vier Ereignisse der Hl. Schrift dar. Einen Blick sollte man noch auf die vorspringende Ehrenloge rechts im Chorraum und die umlaufende Priesterbank im hinteren Bereich werfen. Es gibt verschiedenen Aussagen, warum es zu dieser jetzigen Ausführung des Altaraufbaus kam. Der Altar auf dem erhöhten Chorquadrat, auf einer Stufe stehend, wird von einem allseitig offenen Gebilde, einem Ciborium, d.h. einem quadratischen Aufbau aus Stein mit vier Säulen, die ein pyramidales Dach tragen, überspannt. In der hinteren Hälfte befindet sich ein massiver Altartisch aus Muschelkalk, dessen einzigen Schmuck zwei Löwenköpfe bilden.

Foto Kirchenraum mit Orgel
kirchenschiff_innen3Vom Chor geht der Blick längs durch das Kirchenschiff zur Orgel. Gebaut von der Firma E.F. Walcker & Co. steht sie mit 41 klingenden Registern und 2582 Pfeifen über der Vorhalle im Inneren des Westwerkes, das sich in einem hohen breiten Gurtbogen zum Kirchenschiff hin öffnet. Die Achsstellung und Ausdehnung orientiert sich am gegenüberliegenden Chor. Die gesamte Breite der Orgel beträgt 8,20 m, ihre Tiefe ca. 4 m.

Die gesamte Stirnwand wird von dem Abendmahlsfresko von Fritz Erler eingenommen. In zurückhaltenden, erdigen Farbtönen ist das Bild in den Rauhputz gesetzt und beherrscht die Ostwand des Altarraumes. Es erinnert in seiner Komposition an die Abendmahlsdarstellung von Leonardo in Mailand.

Foto Abendmahl
bild_abendmahlDie drei Rundbogenfenster geben dem Chorraum eine erstaunliche Lichtfülle. Dem Betrachter werden in den vier Langhausfenstern Szenen aus dem Leben Jesu auffallen. Dem zugeordnet sind die Darstellungen in den darüber liegenden Okuli. Auf den vier Wappenfenstern über der Seitenempore findet man Wappen und Leitsprüche von Martin Luther, Markgraf Georg dem Frommen von Ansbach, Gustav-Adolf von Schweden und Wilhelm Löhe. Einen traditionellen Platz nimmt das Rundfenster mit dem verherrlichten Christus, dem Betrachter direkt zugewandt, oberhalb der Orgelempore gegenüber des Altars ein.

Der Kirchenraum lädt ein zu Stille, Nachdenken und Gebet.

Diesen Text können Sie auch kostenlos in gedruckter Form in der Kirche oder im Pfarramt mitnehmen.